Lokales Handeln
Klima-Newsletter: Wie es lokal gehen kann
Klima-Newsletter für ein breites Publikum sind in Deutschland selten geworden, teure Fachnewsletter für Entscheider*innen können sich viele Menschen nicht leisten. Lokale Medien könnten hier eine Lücke schließen. Ein positives Beispiel ist der Klima-Newsletter des sh:z.
In Deutschland gibt es einige gute und erfolgreiche Klima-Newsletter. Dazu gehören zum Beispiel der „Klimabericht“ vom Spiegel, „Focus Earth“ von Focus Online oder der taz-Newsletter „Team Zukunft“, der Nachhaltigkeit und gesellschaftlichen Wandel in einem konstruktiven Ton erzählt.
Doch einige dieser Angebote sind auch schon wieder verschwunden. Der wöchentliche Newsletter „Klimafreitag“ der Süddeutschen Zeitung startete 2020 und wurde im August 2024 eingestellt. Das Redaktionsnetzwerk Deutschland bot bis Herbst 2024 den „Klima-Kompass“ an, pausierte ihn dann aber zugunsten eines neuen Newsletters mit Schwerpunkt Mobilität. Auch Die Zeit baute mit ZEIT Green erst ein eigenes Nachhaltigkeitsressort auf – und stellte es Ende 2024 samt Newsletter wieder ein. Klima-Newsletter für ein breites Publikum bleiben in Deutschland also eher die Ausnahme.
Zwar gibt es auch Fachnewsletter wie „Background Energie & Klima“ vom Tagesspiegel oder „Climate.Table“ von Table Media. Sie richten sich aber nicht an ein breites Publikum, sondern an Entscheider*innen in Politik, Verwaltung, Wirtschaft und Verbänden. Wegen ihrer hohen Preise kommen sie für viele Leser*innen nicht infrage.
Genau hier besteht eine Lücke, die lokale Redaktionen schließen könnten. Während Klima-Newsletter für ein breites Publikum seltener werden und Fachbriefings vor allem Entscheider*innen bedienen, bleibt die lokale Ebene oft außen vor. Dabei wäre gerade dort viel zu holen. Denn die Klimakrise ist längst kein fernes, abstraktes Thema mehr. Sie zeigt sich vor Ort: in Hitzesommern, auf trockenen Böden, im Streit um Windräder, bei steigenden Energiekosten, bei Hochwasser, an der Küste oder in der Frage, wie Städte und Gemeinden sich auf Extremwetter vorbereiten. Forschung aus Klimakommunikation und Journalismus zeigt außerdem, dass Menschen stärker auf lokale und persönliche Auswirkungen reagieren als auf globale Narrative.
Wie so ein lokaler Zugang funktionieren kann, zeigt zum Beispiel der Klima-Newsletter des Schleswig-Holsteinischen Zeitungsverlags, sh:z. Er erzählt jeden Freitag die Klimakrise aus Schleswig-Holstein heraus – mit Blick auf die Meeresspiegel an Nord- und Ostsee, Landwirtschaft, Windenergie, Kommunalpolitik und den Alltag vor Ort.
Der Newsletter zählt nicht einfach Klimanachrichten auf. Er startet oft bei etwas, das viele Leser*innen aus ihrem Alltag kennen. In einer Februar-Ausgabe ist das zum Beispiel der Beginn der Fastenzeit – sowohl christlich als auch muslimisch. Von dort führt der Newsletter zum Thema Klimafasten. Vorgestellt wird dann nicht irgendeine symbolische Debatte, sondern eine konkrete Gruppe aus der Region: die „Omas for Future“ in Pinneberg. Sie erzählen davon, in der Fastenzeit weniger Fleisch zu essen oder plastikfrei einzukaufen. Statt mit Emissionskurven zu eröffnen, zeigt der Newsletter: Klimafragen tauchen mitten im Alltag auf. Dazu kommen passende Artikelempfehlungen. Die sh:z-Redakteur*innen schreiben persönlich und nah am Leben in der Region.
So funktioniert der Newsletter auch in anderen Ausgaben. Die Redakteur*innen greifen politische Debatten über Heizungen, Energiepreise oder Windkraft auf und holen sie nach Schleswig-Holstein. Dann geht es nicht mehr nur um große Politik, sondern darum, was das für Mieter*innen, Landwirte, Küstenorte oder Kommunen heißt. Aus abstrakter Klimapolitik wird so eine verständliche Geschichte vor Ort.
„Wir stellen fest, dass unser Newsletter mit einem lokalen und regionalen Klimabezug sehr gut bei unseren Abonnentinnen und Abonnenten funktioniert und eine treue Leserschaft hat“, sagt Miriam Richter, Referentin der sh:z-Chefredaktion. Der Newsletter habe aktuell rund 4.000 Abonnent*innen. Laut Richter funktionieren besonders lokale Themen wie kommunale Wärmeplanung oder regionaler Hochwasserschutz gut, weil sie die oft abstrakte Klimakrise greifbar machten und zeigten, dass viele Lösungen direkt vor Ort lägen.
Im sh:z-Newsletter können Leser*innen außerdem die Autor*innen direkt anschreiben. So bekomme die Redaktion Lob, Kritik, Nachfragen, Hinweise und Themenideen, sagt Miriam Richter. Dazu befrage die Redaktion ihre Abonnent*innen einmal jährlich und nutze das Feedback, um den Newsletter weiterzuentwickeln.
Gerade jetzt kann ein lokaler Klima-Newsletter viel leisten. Das Interesse an der Klimakrise ist nicht verschwunden, steht aber stärker in Konkurrenz zu anderen Sorgen und Krisen. Viele Menschen wollen weiter informiert werden, nur nicht im andauernden Alarmmodus. Sie suchen Einordnung und konkrete Beispiele aus ihrem Alltag. Genau hier haben Lokalmedien einen Vorteil gegenüber nationalen Medien: Sie sind näher dran an den Menschen und den Konflikten vor Ort. Sie wissen, wo über Windräder gestritten wird, oder wo Wärmeplanung konkret zum Thema wird.
Der sh:z-Newsletter zeigt, dass lokaler Klimajournalismus als Newsletter funktionieren kann. Er schlägt die Brücke zwischen den großen nationalen Debatten und dem, was Menschen in ihrer Region tatsächlich erleben. Dafür brauche es laut Miriam Richter eine passende Zielgruppe, genug regelmäßige Inhalte und ein festes Team.
Für andere Lokalredaktionen lässt sich daraus vor allem eines mitnehmen: Klimajournalismus wird stärker, wenn er vor Ort andockt. Wenn er nicht nur Probleme benennt, sondern Menschen, Konflikte und konkrete Folgen sichtbar macht. Wenn er sich traut, alltagsnah zu erzählen. Newsletter können dafür ein starkes Format sein, weil sie Nähe schaffen und Bindung aufbauen.
Das Reuters Institute hat schon 2020 hervorgehoben, dass Newsletter helfen, „habit and loyalty“ aufzubauen – also regelmäßige Nutzung und Bindung. Für Regionalzeitungen, die auf Nähe zu ihrem Publikum angewiesen sind, ist das ein echter Vorteil. Und vielleicht muss ein solches Format nicht einmal „Klima“ heißen. Möglicherweise erreicht es manche Leser*innen sogar besser, wenn es über Energie, Zukunft, Wandel oder Nachhaltigkeit kommt. Entscheidend ist nicht das Label. Entscheidend ist, ob ein Medium es schafft, die Klimakrise so zu erzählen, dass sie vor Ort verständlich, relevant und lesbar wird.